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Joh. Bugenhagen
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Erinnerung an den "dritten Reformator" in Wittenberg
 
Neben Martin Luther und Philipp Melanchthon gehörte Johannes Bugenhagen zu den herausragenden Persönlichkeiten der Wittenberger Reformation. 1521 kam er nach Wittenberg, und bis zu seinem Tod 1558 blieb er der Stadt und ihren Menschen eng verbunden.In seinem Wirken als Pfarrer, später als Superintendent, und als Prediger in der Stadtkirche prägte er das Gemeindeleben Wittenbergs unverwechselbar.Darüber hinaus schuf er Kirchenordnungen für sich neu gründende Gemeinden vor allem im norddeutschen und skandinavischen Raum. Bis in die Gegenwart hinein sind Ordnung und Struktur evangelischer Gemeinden von Bugenhagens Wirken geprägt.

Das Leben und Wirken Bugenhagens
 Johannes Bugenhagen hat das Bild der Wittenberger Stadtkirchengemeinde entscheidend geprägt. Eigentlich müßte diese Kirche auch seinen Namen tragen! Sie war in erster Linie Bugenhagens Wirkungsstätte. Luther hat hier zwar oft gepredigt, aber zumeist in Vertretung für Bugenhagen. Er sagt selbst in seiner unnachahmlichen Art: "Ich bin ein Lückenbüßer und weder Pfarrer noch Prediger!" . "Unser Pastor" in Wittenberg ist Bugenhagen, so charakterisiert ihn Philipp Melanchthon in seiner Grabrede. Seine Wirksamkeit als Pfarrer der Stadt der Reformation hat ihn weit über Wittenberg bekannt gemacht.

Wie ist Bugenhagen nach Wittenberg gekommen? Mit 36 Jahren verläßt der geweihte Priester und amtierende Rektor der Stadtschule von Treptow seine Heimat und zieht 1521 nach Wittenberg, um Theologie zu studieren, nachdem er Luthers Schriften gelesen hatte. Er findet bei keinem Geringeren als Philipp Melanchthon Kost und Logis. Am 29. April 1521 läßt er sich an der Wittenberger Universität einschreiben. Am 3. November 1521 trägt er seine erste akademische Vorlesung vor. In einem Brief vom 20. November 1522 schreibt Luther an Spalatin, dem kurfürstlichen Sekretär: "Es bleibt noch übrig, daß Du die Aufgabe übernimmst, bei dem Kurfürsten zu betreiben, daß Johannes Pommeranus eine von den Einkünften bekommt, die bisher an die Sophisten unnütz verschwendet worden sind. Denn nach Philippus ist er der zweite Professor der Theologie in der Stadt und in der Welt (in urbe et orbe). Und ich höre, ja ich weiß, es droht uns, daß er nach Erfurt entrissen wird. Ich würde ihn lieber behalten haben." Als alle Bemühungen, Bugenhagen eine bezahlte Professur zu vermitteln, keinen Erfolg hatten, sorgte Luther dafür, daß seine wirtschaftliche Lage geregelt wurde. Als 1522 der Stadtpfarrer Heinsius stirbt, wird Bugenhagen zu Michaelis 1523 vom Rat der Stadt und von Vertretern der Gemeinde als Nachfolger gewählt. Das eigentlich wahlberechtigte Kapitel des Allerheiligenstiftes, das mit der Schloßkirche verbunden war, hatte versäumt, rechtzeitig einen Kandidaten zu präsentieren; einen Anhänger papsttreuen Glaubens getrauten sie sich nicht und einen Vertreter der Reformation wollten sie nicht vorschlagen. Da ließ Luther den neuen Pfarrer wählen und proklamierte persönlich von der Kanzel der Stadtkirche Bugenhagen als "erwählten Pfarrer"!

Wie schnell sein Ruf als führende Persönlichkeit der Wittenberger Reformation sich verbreitete, zeigt sich darin, daß bereits 1524 die St. Nikolaikirche in Hamburg ihn zu ihrem Pfarrer haben will und der Rat der Stadt Danzig 1525 gerne Bugenhagen, "von dem alle Welt hohe Dinge saget und rühmt", zu sich holen wollte. Was Hamburg und Danzig nicht gelang, das schaffte 1528 der Rat der Stadt Braunschweig. Die Annahme des Rufes, dort die Reformation einzuführen, war für viele Jahre für Leben und Wirken Bugenhagens von großer Bedeutung. Hier beginnt die Tätigkeit, durch die er zum Reformator des Nordens wurde. Die Braunschweiger Kirchenordnung wird zum Muster für alle folgenden. Ein Jahr nach Braunschweig folgte Hamburg, 1531 Lübeck, 1535 seine pommersche Heimat, 1537 Dänemark und 1542 Schleswig. Bei allen Angeboten, die häufig mit diesen Aufenthalten verbunden waren, ist er Wittenberg treu geblieben. Auf die Anfrage pommerscher Gesandter antwortet er in einem Brief vom 31. Juli 1544: "Nachdem ich aber allhier zu Wittenberg vor drei und zwanzig Jahren zur Regierung dieser Kirche durch Gottes Gnaden berufen und mich Gott zu diesem Beruf als einen armen Diener viel und mancherlei gnädig gebraucht hat, zur Erbauung dieser und vieler anderer Kirchen in vielen Landen, auch im Herzogtum Pommern, hab ich bei mir beschlossen, diesen Beruf und Pfarramt zu Wittenberg nicht zu verlassen, so lange wie mir Gott das Leben erstreckt und mir zu dienen möglich. Denn dieses Pfarramt, obwohl der Namen geringer ist, so ist's doch ein recht wahrhaft bischöfliches Amt, und, größer in dieser Zeit, denn ein ander Bistum ...". Daß die Tätigkeit Bugenhagens tatsächlich bischöfliche Züge annahm, wird dadurch unterstrichen, daß Luther bei einem Besuch des päpstlichen Legaten Vergerio im November 1535 den Wittenberger Stadtpfarrer und Superintendenten als "geweihten Bischof" vorgestellt hat. Auch in einigen Briefen schreibt Luther von "unserm Bischof" (noster episcopus), auch daß er in Vertretung Bugenhagens "anstatt des Herrn Pfarrer als einen Bischof" amtiert habe. Als solcher blieb er in dieser Stadt, vor allem bei seiner Gemeinde auch in schlimmsten Zeiten der Pest und des Krieges. Er wohnte in dem nach ihm benannten Bugenhagen-Haus, Kirchplatz 9, das bis 1997 Wohnung aller seiner Nachfolger war. Bugenhagen hatte bei seinen Reisen wert darauf gelegt, daß seine Familie ihn begleiten durfte. Am 13 Oktober 1522 hatte er Walpurga (ihr Familienname ist nicht bekannt) geheiratet. Seine Kinder sind Johannes, Martha und Sara.

 In der Stadtkirche finden wir vier Bilder von Bugenhagen, die je eine besondere Seite seines Lebens und Wirkens beschreiben. Das Epitaphgemälde (Gedächtnisbild), das von Lucas Cranach d.J. 1560 gemalt wurde, zeigt Johannes Bugenhagen kniend mit seiner Familie als Zeuge bei der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Bugenhagen ist am Johannestag, am 24. Juni 1485, in Wollin in Pommern geboren und hat von seinem Geburtstag seinen Vornamen erhalten. Von seiner Heimat her hat er seinen Beinamen bekommen: Pommer, Pommeranus, auch Dr. Pommer. Ist es in humanistischen Kreisen durchaus üblich, seinem Namen einen Beinamen zuzufügen, so ist es bei Johannes Bugenhagen mehr als eine Verzierung. Sein Beiname wird zum zweiten gleichwertigen Namen, der etwas von seiner Person verrät. Er ist der gesunde, kräftige, ruhige und Zutrauen erweckende Mann, eben ein Pommer. Die Porträts in den Cranachschen Bildern spiegeln dies auch deutlich wider.

Der Grabstein an der Säule zum Altarraum hinter der Kanzel zeigt Bugenhagen als Pfarrer dieser Kirche. Mit der aufgeschlagenen Bibel in der Hand steht er der Gemeinde noch heute vor Augen als einer, der ihnen Gottes Wort predigen will. Bis zu seinem Tode 1558 hat er treu seiner Gemeinde gedient. Gepredigt wurde damals nicht nur am Sonntag, sondern auch am Mittwoch und Sonnabend. Bugenhagen predigte volkstümlich, aber auch als einer, "der mit Leichtigkeit und Lust lang und viel" predigte. Luther bemerkte: "Ich komme da nicht von fern mit!" In den Tischreden findet sich folgender Bericht: "Eine Frau hat dem aus der Kirche heimkehrenden Ehegatten, um ihn nicht lange warten zu lassen, das Mittagessen eiligst auf den Tisch getragen. Als der Mann sich darüber beklagt, daß das Essen noch nicht völlig gar gekocht sei, entschuldigt sich die Frau mit der vielsagenden Bemerkung: Oh, ich meinte, es würde Pommer heute predigen!" Der Grabstein, der nach einer Zeichnung von Lucas Cranach in der Torgauer Bildhauerwerkstatt Schröter gefertigt ist, trägt folgende Inschrift:
ANNO DNI MDLVIII XX. DIE APRILIS / AETATIS SUAE LXXIII MORTUUS EST REVERENDUS VIR /JOHANNES BUGENHAGIUS / POMERANUS PASTOR ECCLESIAE WITTEBERGENSIS ANNIS XXXVIII:
(Im Jahr des Herrn 1558 am 20. April im 73. Jahr seines Lebens ist der ehrenwerte Mann Johannes Bugenhagen Pomeranus gestorben, Pastor der Wittenberger Kirche seit 38 Jahren.)

Im rechten Altarflügel begegnet uns Bugenhagen als Pfarrer, der im offenen Beichtstuhl sitzend die Beichte hört und Seelsorge übt. Er tut es in der Vollmacht seines Amtes, indem er im Namen Jesu Vergebung zuspricht, freilich mit dem Ernst des Auftrags der doppelten Schlüsselgewalt (Matth. 16,19). Dem Reuigen, der sich zu seiner Vergangenheit bekennt, wird vergeben, dem Unbußfertigen bleiben die Hände gebunden. Das Porträt Bugenhagens hat Cranach hier so gut getroffen, daß der Anblick dieses Antlitzes Vertrauen erweckt. Er bietet den Eindruck eines in sich ruhenden, festen und freien Mannes. Kein Geringerer als Luther hat gerade in diesem Mann seinen Beichtvater gefunden. Er selber sagt: "Als ich angefochten war, hat mich manches mal Pomeranus an diesem Tisch getröstet, ... es war mir ein großer Trost, und wie wenn es die Stimme eines Engels wäre, so haftete es in meinem Herzen."

So hat Bugenhagen 1525 Luthers Ehe mit Katharina von Bora in der Stadtkirche eingesegnet und am 22. Februar 1546 seinem "herzlieben Vater D. Martino seligen" die Leichenpredigt gehalten.

Eine noch ganz andere Seite Bugenhagens zeigt uns sein Bild im Epitaph für Paul Eber von Lucas Cranach d.J. Zusammen mit den anderen Wittenberger Reformatoren arbeitet er im Weinberg des Herrn. Bugenhagen schafft Ordnung mit der Hacke. Er trägt den Mantel des Generalsuperintendenten (seit 1532). Er besaß die Kunst, in seelsorgerlicher Weisheit und mit praktischem Verstand, die reformatorische Bewegung in feste Formen und Ordnungen zu bringen und bewahrt durch sein Wirken die überall aufbrechenden Bewegungen vor dem Versanden. Er verstand es, Gemeinden, ganzen Städten und Ländern den Weg zum Aufbau einer neuen Ordnung zu weisen. Er wird zum Organisator der jungen evangelischen Kirche. In der Anordnung des Bildes ist er zwar kleiner als Luther, hat aber den Platz in der Mitte unter den Reformatoren inne.

Die Stadtkirche wird durch ihn zum Zentrum der Reformation. Die Stadtkirchengemeinde hat ihrem ersten evangelischen Pfarrer auf der Nordseite des Kirchplatzes 1894 ein Denkmal gesetzt.

Auf das Bild des ehrwürdigen Doktors Johannes Bugenhagen aus Pommern

Wie Alkyone selbst aus Dank ihren altergeschwächten
Gatten zum Süßwasserquell auf ihren Schultern hinträgt,
Sorge die Kirche auch für die Lehrer, die um sie verdient sind,
Harte Alterslast mache sie leichter dem Greis!
So ist dein graues Haupt, pommeranischer Doktor, dein echter
Glaube von allen, die fromm leben, bereits zu verehr'n.
Fern am Rande der Welt hast du zuverlässig verbreitet
Unverfälscht im Wort des Evangeliums Saat.
Wie der Täufer das Lamm zu zeigen immer bestrebt war,
Christus, vom Vater gezeugt als sein ewiger Sohn,
Lehrtest auch du, daß man im Glauben, der alle gerecht macht,
Christus erkennt und empfängt als seines Vaters Geschenk.
Deine Zunge vertrieb die ändern Gebilde erdachter
Götter, die nach des Papstes Willen verehrt werden solln.
Wie der Eisvogel hoch auf den Felsen Nester errichtet,
Die die Brandung des Meers grade im Winter umtobt,
So schuf mitten im Meer das glückliche Dänemark fromme
Nester für Christus durch dich, der du ihr Baumeister bist.
Dich hat Gott geschützt und gestärkt in diesen Gefahren,
Du lebst nach deinem Tod jetzt in des Himmels Palast.

(Philipp Melanchthon)

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